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Problem: Schutzhund

huetefuchs zum Thema: Private Schutzhundausbildung



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Liebe Hunde- und vor allem Schäferhundefreunde,

was haben die obenstehenden Bilder gemeinsam ? -

Nichts, - was soll das, werden viele sagen. Und doch, es gibt eine Gemeinsamkeit: Im Prinzip stammen sie alle aus einer Zeit; nämlich der des beginnenden 20. Jahrhunderts.
Der von mir als Kynologe und Hundekenner hochverehrte Rittmeister Max von Stephanitz (1864-1936) hatte innerhalb weniger Jahre eine "neue Hunderasse" aus der Taufe gehoben, den DEUTSCHEN SCHÄFERHUND. Er war nach Gründung des "SV" (= "Verein für Deutsche Schäferhunde (SV)" 1899) stets bestrebt, den universellen Anlagen dieses Hundes gerecht zu werden, indem er die verschiedenartigsten z.T. neuen Betätigungsfelder "seiner" Rasse gezielt suchte und besetzte.

Er ging dabei im positiven Sinne sehr geschickt vor, wie das folgende ungekürzte Zitat zeigt:

"Auch der Liebhaber wählte den Schäferhund als Hovawart, als Schutz- und Begleithund, damit erkannte er dessen vollen Wert, lernte er Schäferhundwesen und -anlagen schätzen. Hier setzte dann des SV Fürsorgetätigkeit ein: er versuchte den Schäferhund in den beiden damals schon vorhandenen Zweigen des Diensthundwesens unterzubringen, bei den Kriegshunden und bei den Sanitätshunden; darüber werde ich anschließend berichten. Weil diese beiden Berufe aber doch nur einen geringen Bestand an diensttuenden Hunden aufnehmen konnten, riet der SV den Schäferhundliebhabern, ihre Hunde im Hinblick auf solche Dienstverwendung im Bedarfsfall abzurichten und ihnen auch eine regelrechte Erziehung und Ausbildung zum Schutzhund zu geben.
Daraus entwickelte sich dann das heutige Polizeihundwesen; da das dann in der Diensthundbewegung führend wurde, sei es hier auch an erster Stelle besprochen." (ENDE DES ZITATS aus: v. Stephanitz, Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild, 8.Aufl., 2.Repl.Druck, S. 470)

Um es auf den Punkt zu bringen: v. Stephanitz ging es darum, eine möglichst breite Basis an ausgebildeten Schutzhunden zur Verfügung zu haben im Blick auf Ihre spätere Verwendung in den angesprochenen "Berufen". Die ursprünglichste Betätigung des SCHÄFERhundes, die Arbeit an der Herde, geriet bereits damals mehr und mehr außer Blick. Im Zuge des Baumwoll-"Booms" nahm auch in Deutschland die wollorientierte Massen-Schafhaltung mehr und mehr ab.

Man befand sich in Preussen, Deutschland war Kolonialmacht und auf dem Weg in den I. Weltkrieg; v. Stephanitz, selbst Offizier, spricht hier ganz als "Kind seiner Zeit" und außerdem als ganz geschickter "Manager" seiner Hunde und seines Vereins. Dies kann und sollte man ihm nicht übelnehmen, nur ...wir Heutigen und mit uns unsere Hunde, leben in einer gänzlich veränderten Welt.

Lebensformen, Lebensweisen, Staaten, Gesetze, Politische Grundsätze, Vorder- und Hintergrund, Menschen und...Hunde - alles hat sich gewandelt; v. Stephanitz lebte in einer Zeit, in der, wie die obigen zeitgenössischen Bilder zeigen, der überland-radelnde "Biker" seinen Personenschutz in Form des Radfahrerrevolvers noch selbst in die Hand nahm. (Man beachte die speziell geschaffene Patronenbezeichnung: "5,75mm VELODOG" !) -

Die Zeiten haben sich, - man möchte sagen, - GOTT SEI DANK -, geändert !



Von Stephanitz war zwar nicht der Erfinder des Polizeihundes an sich, er hat aber diesen "Beruf" seiner "Schützlinge" (!) massgeblich beeinflusst , ihn immer wieder propagiert und die systematische Ausbildung angeregt, gefördert und literarisch begleitet. Das moderne Polizeihundewesen verdankt ihm viel - nicht von ungefähr galt der Deutsche Schäferhund bis vor wenigen Jahren noch als DER Polizeihund - und nicht von ungefähr ist "Kommissar REX" ein DSH.
(Die Zeiten haben sich (leider) auch hier geändert, aber das ist eine andere Geschichte.)

Die Fixierung des Rassegründers auf die damals "moderne" Militär- und Sicherheits"szenerie" machte es in seinen Augen erforderlich, die Gebrauchstüchtigkeit des Deutschen Schäferhundes durch Regelungen der Zuchtvoraussetzung zu gewährleisten.
Um Deutsche Schäferhunde im Sinne des SV züchten zu dürfen und damit in den Besitz der begehrten "Papiere" zu gelangen, mussten und müssen bis heute die Zuchtpartner bestimmte Bedingungen erfüllen. - Wir sind immer noch in Deutschland - und da heißt dies: Sie müssen EIN AUSBILDUNGSKENNZEICHEN vorweisen können. Der reinen "Liebhaberzucht" - wie ich sie an anderer Stelle für die Altdeutschen Hütehunde gefordert habe, wird dadurch ein Riegel vorgeschoben. - Der zuchtbereite DSH muss (neben einer zu begrüßenden Gesundheitsprüfung /HD) entweder ein HGH (Herdengebrauchshund), ein FH (Fährtenhund) oder eben ein SCHH (Schutzhund) sein, um seine "Familienplanung" zu legalisieren.
(Nebenbei bemerkt: Wenn wir, die DSH-Interessenten nicht durch die Bank so "scharf" auf die "Roten Papiere" wären, ließe sich dieses SV-GESETZ leicht umgehen!)

Nun sind Schaf-Übungsherden nicht "an jeder Ecke" zu finden - HGHs sind also relativ selten. Fährtenprüfungen finden bis zu Meisterschaften auf vielen Ebenen statt, aber die hierzu notwendigen Trainingseinheiten eignen sich eher für Einzelarbeit oder bestenfalls Kleingruppen. - SCHUTZDIENST aber, das ist ein Fall für den Verein; hier lässt sich, wie beim Fussball am Spielfeldrand leicht fachsimpeln und "bundestrainern". Hier werden Helfer gebraucht, Übungsleiter und "fachkundige" d.h. staunende oder auch manchmal neidische Zuschauer.(!!)

Von den oft selbsternannten "Fachleuten" - übrigens alles MENSCHEN - wird stets ins Felde geführt, für den Hund (also den fertigen oder auszubildenden) Schutzhund sei das Beissen in den Schutzarm des Helfers und das anschließende "Erbeuten" desselben ein schönes SPIEL - eine willkommene Befriedigung des Beutetriebes; man befinde sich im Triebkreis des "Stöberns, Verfolgens, Stellens und Ergreifens" einer Beute - also hier des Schutzarmes.
Nun ist in den Uranlagen der Hunde als Wolfnachkömmlingen mit dem Ergreifen der Beute allein der "Spass" noch nicht zu Ende; der Sinn des Ganzen - und erst hier schließt sich der Kreis -, ist die Tötung mit anschließender Verwertung (sofort Fressen; zu den Welpen bringen; Verbuddeln).- Wir haben es also - was den beteiligten Hund angeht - durchaus mit einem Raubtierverhalten zu tun, bei dem es in gewisser Weise "um Tod und Leben" geht.
Der oben skizzierte Beutetrieb liegt beim Hund ,um es plastisch zu sagen, sehr dicht unter der Oberfläche; das weiß jeder Hundebesitzer, der mit seinem Vierbeiner "Stöckchen holen" oder "Bällchen werfen" ...ja, SPIELT !!! Durch das Wegwerfen eines simplen Stocks oder Balls bringen wir den Hund in die beutetriebauslösende "Stimmung", die ihn losrennen und das betreffende Teil jagen, packen, evtl. schütteln, zerbeissen oder herbeibringen lässt. - Jeder harmlose Rauhhaarteckel, Yorkshireterrier oder Golden Retriever ist in dem Sinne "vorbelastet" und "schutzhundfähig".
Dieses SPIEL kann ich mit meinen Hunden überall spielen - ganz alleine - ich brauche dazu keinen Helfer in Rüstung und schon gar keine "schlauen Kommentare", es macht uns ganz einfach SPASS, lässt sich in vielen Varianten betreiben, in Suchspiele einbauen und hat keinerlei negativen Nebenwirkungen. - DENKSTE ... hat es doch! - Ich trainiere den Hund nämlich damit quasi "von mir weg (!)", ich "spiele NACH AUSSEN" mit ihm, anstatt seine Aufmerksamkeit "auf mich" als sein "Alpharudelmitglied" zu konzentrieren. Ein Übertreiben dieser Spiele würde ich von daher nicht empfehlen, obwohl es sich manchmal nicht vermeiden lässt, mal das Bällchen fliegen und die Hunde rennen zu lassen. - Man sollte aber im Hinterkopf haben: Der SPASS, den die Hunde dabei in unsern Augen empfinden und den sie auch oft lautstark äußern, ist in Wahrheit Ausdruck ihrer "Triebeinstimmung". (Wildhunde stimmen sich vor der Jagd ebenfalls lautstark ein ... und ... was machen denn unsere hochbezahlten Mannschaftsportler wenn's ernst wird - sie bilden einen Kreis oder Haufen und "brüllen sich stark", sie stimmen sich ein, - nichts anderes, - nur aus einem anderen "Tierkreis".)

Wir können also festhalten: Der Schutzhund auf dem SV-Platz (und auf dem obigen Foto) stürmt also lediglich seinem "virtuellen Stöckchen" in der "rein zufälligen" (Uni-) Form des Helfer-Schutzarmes entgegen, um sich dessen zu bemächtigen!

Ja, aaaaber....: Kann mir dann aber 'mal bitte jemand erklären, wieso spielen "wir" dieses doch so schöne Spiel nicht unserer heutigen ZEIT gemäß ?? - Hallooo, wir befinden uns im 21. Jahrhundert - im Jahr X nach den unsäglichen "Kampfhundeerlassen" der Vergangenheit, Kommissar REX hat soeben sein Bestes gegeben, um dem Image des DSH zumindest bei Kindern wieder ein wenig auf die Sprünge zu helfen !

huetefuchs meint: Es steckt sehr oft (nicht überall!) mehr dahinter als dieses "virtuelle Stöckchenspiel", daß uns Nichtmitspielern hier (ich sage : OFT) vorgespielt wird !

Einige Punkte, die mir kritikwürdig erscheinen:

1.) Es ist eindeutig Aggression im Spiel, ja diese wird sogar noch provoziert - zum einen durch das Zunächst-Lange-Vorenthalten der "Beute" und zum zweiten durch "Nachhilfe" mit dem "Soft"stock.
Sehen und mit hoher Punktzahl bewerten will man den "beutefiebrigen" Hund (vgl. meine Aussagen zum "Schaffieber" bei den Hütehunden).
Das Szenario ist zwar ein Beutespiel, welches sich aber auch und vielleicht gerade wegen des Lobes nach vollbrachter und außerdem besonders aggressiv und "druckvoll" ausgeführter Tat durch den Hundeführer (gibt's dafür eigentlich kein besseres deutsches Wort??) sehr leicht falsch "verknüpfen" kann, was zu massiven Problemen im Alltag führt oder zumindest führen kann.

2.) Es muß die Frage nach dem Sinn (!!) des ganzen Unterfangens "SCHUTZHUNDAUSBILDUNG" für Laienhunde erlaubt sein.
So wie sie oben skizziert wurde, macht sie in der Praxis, also im "Ernstfall" (,von dem die Mitspieler offenbar träumen), aber auch nicht die Spur von Sinn (!!) - ganz im Gegenteil; ein so ausgebildeter Hund gefährdet durch das direkte Herangehen an einen "wirklich bösen Mann" sich selbst in höchstem Maße !! - Diesen Satz würde ich am liebsten doppelt unterstreichen oder ihn in Plakatform an die Vereinshütten des SV nageln!-

Distanz zum (Übel-)Täter mit der Tatsache der Möglichkeit (!!) zum Zugriff ist der einzige Schutz des Schutzhundes !

-Wann begreift man endlich, daß nicht im "Haudraufundschluss", sondern in gezielter ZURÜCKHALTUNG UND beobachtender DISTANZ die eigentlichen Wirkungs- und Schutzmöglichkeiten eines Hundes (und eigentlich aller Einsatzkräfte) liegen? Übrigens: Wild- oder noch besonders wolfsnahe Hunde (vgl. z.B. den Saarloos-Wolfshund) legen noch die ererbte erweiterte Individualdistanz zum Menschen an den Tag, sie sind schon deshalb nur schwer oder garnicht zur "Arbeit am Mann", also zum Schutzdienst zu bewegen.(Es sei denn, es ist "sehr viel SH-Blut im Spiel", oder es wird gezielt über den Wehrtrieb gearbeitet.)

Wenn der Sinn dieser "Spiel"-Ausbildung also durchaus zweifelhaft ist, warum macht man's dann ? Ja, das fragen sich viele - und ich gebe Ihnen auch meine Meinung als Antwort:

huetefuchs meint:
Der Sinn der SchH-Ausbildung, so wie sie praktiziert wird, liegt hauptsächlich in der Befriedigung der vielen, vielen Hundeführer-Ego's.(!!) (Anmerkung : Wer sich angesprochen fühlt, weiß daß ich recht habe!)
Sie wird befördert durch die besondere Vereinsstruktur des SV und seine Traditionen. "Schäferhundzucht ist Gebrauchshundzucht, sonst ist sie keine Schäferhundzucht"(!), dieser an zahlreichen Stellen seines Buches (z.B. S. 619 und viele andere) ausgesprochen "Befehl" des Rittmeisters, wird eben heute noch allzugerne und in meinen Augen allzuoft befolgt. - Wir leben aber heute in einer gänzlich anderen Zeit mit gänzlich anderen Anforderungen an die wahre "Gebrauchstüchtigkeit" eines Hundes. - Den von v.Stephanitz noch propagierten Gebrauchshund braucht heute nur noch eine verschwindend kleine Minderheit.

Es ist aber wohl schon ein besonderes, euphorisierendes "Gefühl", knapp 40kg DSH-Rüden neben sich im korrekten "Steh!" oder was auch immer zu haben und ihn dann mutig und tapfer "draufgehen" zu sehen.(?) Es hat was militärisches -ohne Zweifel- insofern schwingt die vergangene Zeit immer noch mit; man fühlt sich gut, kompetent und vor allem stark, so als militärischer "Unterführer". (Übrigens kann ich, was diesen Punkt angeht, im Gegensatz zu vielen von den "Hundesportlern" mitreden; ich war milit. Unterfüher (ROA) als Fallschirmjäger bei der BW und ehem. Zeitsoldat!)

Übrigens - und das soll hier auch nicht verschwiegen werden, hat in den letzten Jahren und wohl durch die durchs Land geisternde und wirre Auswüchse zeitigende "Kampfhundedebatte" befördert, der moderne SV durchaus "dazugelernt" und mit dem sogenannten AUGSBURGER MODELL endlich eine Plattform geschaffen, die abseits der "Schutzhund-Doktrin" Hilfestellung für die Ausbildung zum alltagssicheren Familienhund geben will. Der SV öffnet sich hier in positiver Weise für Nicht-Mitglieder und sogar für Nicht-Schäferhunde ... wer hätte das gedacht ? Endlich versucht man, das auf den SV-Plätzen ja durchaus vorhandene Hundewissen in vernünftige, zeitgemäße Zwecke zu investieren und fährt offenbar gar nicht schlecht dabei.
Nebenbei gesagt - wird man damit der Urintention des Rassegründers eher gerecht, als durch das stete Wiederholen von Schutzübungen, die durchaus Gefahren in sich bergen können. Ich empfehle jedem die durchaus als relativierend zu interpretierenden Seiten 998 bis 1021 aus dem bereits zitierten Standardwerk der Kynologie. Ich jedenfalls lese daraus bereits den "Ansatz", ja eine Spur oder Fährte zum erwähnten Augsburger Modell. - Gut und richtig, daß sie erkannt und verfolgt wurde!

3.) Es ist Gewalt im "Spiel" ! - Das reine Beutespiel, so wie es uns weisgemacht wird, erfordert keine direkte körperliche Einwirkung auf den Hund. Was hat hier also das Traktieren mit dem noch so "soften" Softstock zu suchen ? (Bei meinen "Bällchenspielen" brauche ich den jedenfalls nicht!)
In meinen Augen spielen uns (der Öffentlichkeit) hier die Betreiber dieser "Sportart" entschieden etwas vor und ich will es auch benennen: Die "Sache" mit dem "Beutespiel" ist in Wahrheit (auch) ein geschickter Verschleierungstrick, denn was soll ich mit einem "Schutzhund" der eigentlich "nur spielen" will ? Nein, er soll nicht "nur spielen", - machen wir uns doch nichts vor - es geht schon darum, daß der Hund "im Ernstfall" schützt, also "draufgeht". Also muß in der "Spieltheorie" der "Ernstfall" möglichst authentisch nachgestellt und simuliert werden - da sind wir Menschen (auch unter Unseresgleichen) ziemlich erfindungsreich!
Die Folge ist, daß der Hund in seiner Aggressionsbereitschaft bestärkt und in die Nähe (ich sage : in die Nähe) des Triebkreises des sog. Wehrtriebs gebracht wird. Bei sehr "triebstarken(?)" Hunden kann durch die mannigfaltigen, schutztriebreizenden Stimulationen bei der Ausbildung (Stress;Frust;Schmerz...) dieses Wehrverhalten ausgelöst werden, welches nur im Kampftrieb seine Lösung findet. (Schutztrieb in der Natur : bei Hündinnen/Wölfinnen zum Welpenschutz --- Kampftrieb in der Natur: Rüdenkampf um Wölfin/Hündin; Rangordnungskampf, Kampf um Beute)

Wohlgemerkt, ich sage nicht, daß dies überall so geschieht und gewollt ist, aber die Gefahr des Mißbrauchs besteht und sollte nicht unterschätzt werden.
Hunde in Privathand sollten, ja dürfen nicht über den Wehrtrieb ausgebildet werden; solche Hunde sind wie scharfe "Waffen" und gehören eindeutig und ausschließlich in den Diensthundebereich!

Hier muß ich nun nocheinmal v. Stephanitz und seine "Bibel" für Schäferhundhalter zitieren, der es im übrigen so ähnlich ergeht wie der christlichen Bibel... oh- wenn man doch mehr darin lesen würde... also (Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild, S. 1018f.):
"Dann aber wollen wir uns auch einmal überlegen, wie oft wohl der Durchschnittsliebhaber in die Verlegenheit kommen wird, sich durch die Zähne seines Hundes das Leben retten lassen zu müssen ! Es gibt wohl einzelne Berufe und Lagen, in denen" (......)
"In den allermeisten Fällen aber genügt es, daß der Hund als lebendes Warnzeichen vor Herrn und Habe steht. Das aber tut schon der Hund von rechtem Wesen, dem Abwehrwille aus Haltung und Augen sprüht."



4.) Die Möglichkeit (ich sage : die Möglichkeit) eines Mißverständnisses beim Hund ist nicht auszuschließen.
Dieser Einwand wurde schon oft formuliert, ich will ihn trotzdem noch einmal aufnehmen: Keiner wird "gern" mal von einem Schäferhund ausgerechnet in den Tennis- oder Golfarm gebissen, nur weil "der dumme Köter" einen mit seinem so heißgeliebten "bösen Mann" auf dem Hundeplatz verwechselt hat. Kein "Opa" läßt sich gern den regenbeschirmten Arm von einem SchH"x" runterreißen, nur weil er eben freundlich seinem Nachbarn zugewunken hat, was der Hund als Auslösereiz mißverstanden hat. Der Beispiele wären viele...
Ich halte den Schutzsportlern hier nocheinmal den "Spiegel" in Form von v.Stephanitz vor (S.1019) : "Der Begriff Mensch aber soll dem Hunde etwas Heiliges, Unantastbares sein, darauf haben wir es schon bei der ganzen Erziehung von Jugend auf angelegt und davon soll er nur im äußersten Notfall, zu unserem oder unseres Eigentums Schutz, abweichen dürfen."

Es muß hier darauf hingewiesen werden, daß die "reine Lehre" des Schutzdienstes fordert, daß der SchH bei der Ausübung "in der Hand des Führers" zu stehen hat, also über excellenten Grundgehorsam und jederzeitige Abrufbarkeit verfügen soll. (!! ich sage "soll!" - und habe gerade in diesem Punkt so meine Zweifel...) Gerade und ausgerechnet die aggressionsbestimmten o.a. Triebkreise machen den Hund nämlich nicht nur äußerlich weitgehend schmerzunempfindlich, sondern lassen ihn gleizeitig auch "aus seinem Inneren gesteuert" agieren, das ist ja in der Natur der Triebe so angelegt und gewollt. Als solchermassen reaktives Wesen kann ein Hund schwerlich, wenn überhaupt noch auf äußere Befehle "gehorchen". - Ich kenne unsere Hunde gut, wie ich meine und habe noch nie Schutzdienst mit Ihnen "geübt" - , ich habe sie aber, wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, bereits nahe am oder bereits in Kampftrieb (Rangordnungskampf unter Hündinnen) erlebt und weiß von daher: Hier helfen keine Kommandos mehr (!!), hier spricht dann ganz eindeutig das Raubtier, der Wolf im Hund. Unterordnung unter Menschen (und sei sie noch so abgesichert) heißt nicht auch gleichzeitig triebliche Unterwerfung! Nur - , wer ständig bis "nahe an die Grenze geht", muß sich über eine latente Gefahr nicht wundern (z.B. durch die angesprochenen Verwechslungsmöglichkeiten).

Nur soviel noch dazu:
Der Deutsche Schäferhund ist der meistgehaltene und meistgezüchtete Hund in Deutschland.... und gleichzeitig derjenige, der am seltensten im Straßenbild begegnet - WARUM eigentlich ? Das muss doch einen Grund haben. Und dieser Grund hat weniger mit der aktuellen Kampfhundehysterie zu tun, als vielmehr mit der offensichtlichen Unsicherheit der Halter hinsichtlich der Zuverlässigkeit und Tauglichkeit ihrer Vierbeiner im Alltag.- Hier muß also angesetzt werden, wie der SV offenbar richtig erkannt hat.





5.) Empfehle ich allen Schutzhunde"führern" und -Haltern eindringlich, sich gerade im Blick auf den offenbar an jeder Ecke erwarteten "Ernstfall", mit der geltenden Rechtlage auseinanderzusetzen. Insbesondere das Notstands- sowie das Notwehrrecht kommen hier in Betracht. Beide Rechtsnormen sind (übrigens auch unter Juristen) längst nicht so eindeutig, wie man sich das gemeinhin vorzustellen pflegt. - Ich warne deshalb eindringlich vor der Vorstellung, mit der Schutzhundplakette werde dem Halter quasi im Gleichschritt der erste Stern auf der "virtuellen Polizeiuniform" verliehen.- Umgekehrt wird eher ein Schuh draus, je höher der "Plakettengrad" des Hundes, desto m e h r Verantwortung wird und muß vom Hundehalter gefordert werden.



6.) Was passiert eigentlich mit den "Untauglichen" (-ich meine Hunde-), den "Durchgefallenen", den "wenig Triebstarken" und schließlich den nach und nach "Hüftkrank-Gewordenen" oder den "Alten" ?
Ich will es Ihnen sagen: Bis auf die alten kampferprobten "Veteranen" wird ein Großteil der Hunde verkauft - an Leute "Wie Du und Ich". Wohlgemerkt, das können Hunde sein, bei denen lange, lange offenbar "erfolglos" versucht wurde, mit allen möglichen "Tricks" Schärfe und Trieb zu wecken; es können aber auch besonders triebstarke Tiere sein, die während der Unterordnungsphase derart "geknickt" wurden, daß sie zu unkontrollierbaren Angstbeißern "mutiert" sind, die man natürlich auch nicht "durch eine Prüfung bringt".-
Es lauert hier also für den Laien ein nur schwer durchschaubares Potential an Unwägbarkeiten, ja an Unberechenbarkeit. Deshalb kann ich jedem Schäferhundinteressenten nur raten, beim Erwerb eines älteren Hundes aus traditioneller, schutzhundbasierter Zucht, einen wirklich Kundigen unabhängigen Spezialisten zur Beratung hinzuzuziehen oder lieber auf den Hund zu verzichten. Der vorherige Gang zu einer vertrauenswürdigen Hundeschule oder einem Hundepsychologen kann hier vor vielem bewahren.





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Fazit

Die Ausbildung zum Schutzhund für Hunde in Privathand ist in der heutigen Zeit sinnlos und birgt eine Reihe von Unwägbarkeiten, derer sich insbesondere die "Schwarzen Schafe" der Zunft nur zu leicht bedienen können.

Das direkte Herangehen "an den Mann" (auch das beuteorientierte) ist unzeitgemäß, widerspricht den Forderungen der Unterordnung (Stichwort:Alphastellung), untergräbt die zum Menschen unbedingt einzuhaltende Individualdistanz willkürlich, erzieht den Hund zu "unsozialem" Handeln Menschen gegenüber, birgt also eine Reihe von inhärenten Unsicherheiten.

Der größte Unsicherheitsfaktor hängt meines Erachtens aber wie fast immer, wenn's um Hunde geht, am hinteren Ende der Leine - der Mensch oder wie man so schön sagt, der Mensch als "Hundeführer". Da kann mir ein Verein noch so viel von "im Gehorsam stehenden Hunden" erzählen, wer prüft eigentlich die Leinenhalter auf "Zuverlässigkeit", "Ehrlichkeit","Charakterliche Eignung", "Sachkunde", "Tierfreundlichkeit"(Stichwort:TELETAKT) ...usw.?

Solange das nicht geklärt ist, bleiben bei mir Zweifel an der Rechtmässigkeit und dem Sinn des ganzen Unterfangens - und wenn's den Hunden noch soviel SPASS macht !

Im Waffenrecht gibt es den schönen Begriff des "BEDÜRFNISSES"; nur wenn dieses unter bestimmten strengen Voraussetzungen bejaht werden kann, ist der Besitz von Waffen zulässig und genehmigungsfähig. - Welches Bedürfnis hat die heutige Gesellschaft, hat der heutige Privatmann (noch) nach einem ausgebildeten Schutzhund ?
Liegen unsere Bedürfnisse nach Hunden nicht vielmehr auf gänzlich anderen Gebieten ? Der alltagstaugliche Begleithund wurde bereits positiv angesprochen; benötigen wir nicht heute viel mehr RETTUNGSHUNDE, BEHINDERTENBEGLEIT- und SERVICEHUNDE, THERAPIEHUNDE, von mir aus auch SPÜR- und FÄHRTENHUNDE als ausgerechnet Schutzhunde ? Diese Frage muß erlaubt sein. Und ...by the way...: Hier wäre der Ort und die Gelegenheit, das immer noch zwiespältige Image des DEUTSCHEN SCHÄFERHUNDES entschieden aufzupolieren.

Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß dies endlich auch in der Schäferhund-Chefetage Gehör findet, ein erster kleiner Schritt wurde getan, andere müssen folgen.



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Nachtrag

Um zu erwartende Kritik hier gleich abzufangen:

1.) Ich bestreite nicht den Sinn von SCHUTZHUNDEN insgesamt, sondern den von Hunden in Privathand!

Diensthunde als Helfer entsprechender staatlicher Institutionen muss und wird es hoffentlich immer geben! Sie werden jedoch nach anderen Richtlinien ausgebildet, geführt und gehalten als Privathunde.

Die verfehlte und nicht am Rassegründer (und seinen vielfältigen literarischen Werken ) ausgerichtete Zuchtpolitik vieler Züchter hat allein dazu geführt, daß der Deutsche Schäferhund sich vor allem aufgrund seiner zeitweise sehr labilen Gesundheitslage auf diesem, seinem alten Spezialgebiet "auf dem absteigenden Ast" befindet. Die westeuropäischen Polizeien und Militärs, ebenso die Schweiz, setzen hier vermehrt auf die Belgischen Hunde, vor allem den Malinois.

2.) Ein Aspekt fehlt der ganzen Betrachtung noch - der der Gleichberechtigung.....mmmh ...?

huetefuchs meint: Das was für den Deutschen Schäferhund und seine tragende Organisation gilt, muss auch für alle anderen Organisationen gelten .... also auch für die sogenannten "Kampfhunde" !
Welcher Aufschrei ginge wohl durch den deutschen Mediendschungel, wenn sich morgen eine ,sagen wir Hamburger "Ortsgruppe" des (virtuellen) "Vereins für deutsche Pitbulls" gründen würde und munter in die Schutzhundarbeit einstiege ..?("Ist doch ein Spiel!")
Dieses erfundene Beispiel zeigt (abgesehen von der Hundeproblematik) , auf wie dünnem Eis man sich eigentlich bewegt.
Ich fürchte, die Schäferhundehalter werden sich bei einer genaueren Revision der bundesdeutschen "Beißstatistik" in der Zukunft noch manchesmal wundern; und ich fürchte nichts mehr als den Tag, an dem ein ausgebildeter "Privat-Schäfer-Schutzhund" über ein Kind herfällt.....nur weil er vielleicht die Situation "verwechselte" und "nur spielen" wollte, denn genau an diesem Tage werde auch ICH OPFER der heute völlig überflüssigen Schutzhundausbildung für Privathunde !



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Aus aktuellem Anlass (13.4.2006)

Im Vorangegangenen habe ich versucht, die Unwägbarkeiten und Gefahren im Zusammenhang mit der traditionellen Schutzhundausbildung aufzuzeigen. Auf der Negativseite bin ich kurz auch auf die damit für den Hund verbundenen Gefahren eingegangen.

Hier zusammengefasst noch einmal meine Auffassung :

Die Ausbildung zum Schutzhund, wie sie nahezu allerorten in den Vereinen betrieben wird, ist geeignet, den Haltern und Führern solcher Hunde eine falsche SICHERHEIT vorzugaukeln! Ein Hund, der auf "seinen Schutzarm" geradezu fixiert ist, gefährdet sich selbst in höchstem Maß, sollte es wirklich einmal zu einem "Ernstfall" kommen. (Anmerkung : Wer hier jetzt als SchH-Halter lautstark protestiert ...nach dem Motto : "Da solltest Du aber meinen erst mal sehen !" - hat die "reine Lehre" des Schutzdienstes bereits verlassen und die Grenze der Legalität überschritten !)
Die in der Übungsphase zu den Prüfungen ständige "direkte Konfrontation" mit dem "bösen Mann" prägt sich nicht nur im Hundehirn ein, sondern lässt auch die Leinenhalter nicht gänzlich unbeeinflusst. Wer es als solcher "gewohnt ist", daß sein Hund eigentlich immer am Ende die Beute macht, kann eigentlich im Ernstfall nur genauso denken - wenn er überhaupt noch etwas denken kann. Automatisiertes Handeln nennt man so etwas.

Sie glauben, ...Ernstfall ...Sicherheit ...Legalität ... was soll das Geschwafel hier?? -
Nun, das kann ich Ihnen ganz genau sagen:

Am oben genannten Datum wurde ich nahezu schlagartig in diesen Ernstfall "katapultiert". Ich wurde von einem total "ausgerasteten" Bauarbeiter auf eigenem Grundstück aus nichtigem Grund mit einem Vorschlaghammer massiv angegriffen. Ich verzichte hier auf Einzelheiten; jeder Halter eines ausgebildeten Schutzhundes - ich betone : JEDER (!) - hätte aufgrund der Massivität des Angriffs hier seinen Hund eingesetzt, um die Aggression zu stoppen.....und ... hätte ihn mit einhundertprozentiger Sicherheit für immer verloren! Meine eigenen Hunde befanden sich zum großen Glück im Haus! -
Wenn Sie wissen wollen, welche Ratschläge ich Ihnen nach der Konfrontation mit dem "wirklich bösen Mann" geben kann, sage ich Ihnen Folgendes:

MIT HUND lösen Sie das Problem mit Sicherheit nicht - ganz im Gegenteil, Sie schaffen sich und dem Täter zusätzliche Aufregung, schüren die Aggression, wo eigentlich "calming signals" (also "beruhigende, beschwichtigende Signale") am Platze wären. Ich gebe allerdings zu, daß mir mit Hund an der Seite durchaus "wohler gewesen" wäre. Nur, - der hätte sich aber ganz, ganz anders verhalten müssen, wie von der SchH-Ausbildung her gewohnt, und zwar genauso, wie ich es weiter oben noch während meiner "Theoriephase" beschrieben habe! -

Der ideale Schutzhund ist nahe bei mir (und genau da bleibt er auch) - und zwar dichtestmöglich(!) - er bildet praktisch den lebendigen "Zaun", durch den ein Angreifer erst 'mal durch muss, sollte er mir körperlich zu nahe kommen. Er bellt nicht und greift nicht in das Geschehen ein - er ist einfach nur da (!!) - (In der Marinesprache nannte man das früher "fleet in being" (In naval warfare, a fleet in being is a naval force that extends a controlling influence without ever leaving port.) )
Beissen darf und muss dieser Hund nur zu seiner eigenen Verteidigung, die gleichzeitig dann die meinige ist.
Ein ganz anderes Konzept der Ausbildung wäre für einen solchen "echten" Schutzhund nötig. Die Gefahr liegt jedoch in der relativen Nähe zu den Defensivstrukturen des Wehrtriebes, das sollte man nicht übersehen.

Der Hund muss mir(!) die Möglichkeit zur ruhiger, überlegter DEFENSIVE geben, indem er auch mit mir zurückweicht - allein die Tatsache, daß er da ist, genügt vollkommen, denn meine wichtigste "Waffe" muss das WORT bleiben. Wie mächtig diese ist, konnte ich nun selbst "erfahren"; der Hammer wurde freiwillig niedergelegt!

(Anmerkung : Der Vorfall kann von zwei Zeugen bestätigt werden !)



Verstehen Sie, was ich sagen will: das oftmalige, mechanisierte "trainieren" des noch so spielerischen "Ernstfalles" mit den Hunden lässt auch uns Menschen nicht unbeeinflusst: Allzuoft überschätzen wir das eigene Angriffspotential und unterschätzen eigentlich generell die Möglichkeiten der DEFENSIVE.
Auch wir unterliegen eben in gewissem Maße unseren Trieben - auch dem "Wehrtrieb", dem nur das Großhirn der Primatenspezies Mensch Kontrolle entgegensetzen kann.





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