Startseite
Das huetefuchs-Rudel
Die spezielle Problematik der Altd. Hütehunde
    "Rettet die Altdeutschen Hütehunde"!
    Special: "Herdenschutzhunde"
    Zur Geschichte der Schafwirtschaft
    Wie geht Hundezucht ? (SATIRE)
Die Zucht Altdeutscher Hütehunde
Der Deutsche Schäferhund
Altdeutsche Hütehunde
Tips, Hinweise, Links, Impressum
Virtuelle Hundewiese
Gästebuch
Hinweise zu huetefuchs.de
Die IGMH
Neues von huetefuchs (ab 2009)

Die spezielle Problematik der Altd. Hütehunde

Kritisches zur Zucht der Altdeutschen Hütehunde

VORWORT:

"Cui bono ?", "wem nutzt es ?", diese alte lateinische Frage aus der Rechtssprache, soll als Überschrift über den folgenden kritischen Anmerkungen stehen. Ich habe mich in der Vergangenheit oft gefragt, ob die Bestimmungen,Handlungen und Äußerungen der speziell unsere Hunde vertretenden Dachorganisationen (also SV bzw. AAH) solchermaßen (cui bono?) hinterfragt, wirklich zu der klaren Antwort: "Ja, - es dient und nutzt dem Wohl der Hunde!" führe.
Wohlgemerkt, diese Antwort m u ß am Ende stehen, hier gibt es kein "wenn.." und "aber..", sofern das Ganze Sinn und Legitimität haben soll.- Erst wenn das MOTIV klar ist, wird auch das Handeln verständlich.-
Bei Zweifeln lohnt sich immer gezielte Nachfrage; ein "das haben wir schon immer so gemacht.." (Diskussion überflüssig) sollten wir nicht akzeptieren, zum Wohl der Hunde !




Nach oben

LESERBRIEF (2002)

huetefuchs zum Thema : "Sind Altdeutsche Hütehunde für private Hundehaltung geeignet ?" - "Soll privat gezüchtet werden (dürfen)?"

Dazu :

Ein Leserbrief des huetefuchs-Autors an die Zeitschrift "Der Hund" anlässlich zweier konträrer Artikel, die sich mit dem pro und contra der Privatzucht Altdeutscher Hütehunde befassten. Zumindest in dem einen Artikel ging es auch um die Frage, ob es nicht an der Zeit sei, die einzelnen "Schläge" nunmehr in Reinzucht zu nehmen, d.h. "Rote" , "Gelbbacken", "Schwarze" nur noch jeweils mit ihresgleichen zu verpaaren, anstatt kreuz und quer n u r dem Diktat des starken Hütetriebs zu folgen.-
In der Wiedergabe unten habe ich bewußt die Namen der beiden Verfasser (durch NN) getilgt. Es soll ja hier auch nicht um Personen, sondern die Sache gehen.

______________________________________________________________________________________
16. Februar 2002

Deutscher Bauernverlag

Redaktion „Der Hund“

Wilhelmsaue 37

10713 Berlin

Betr.: Altdeutsche Hütehunde (Harzer Fuchs) ; Der Hund 2/2002 , S. 34-37



Sehr geehrte Damen und Herren,



die in den beiden Artikeln des oben genannten Heftes zum Ausdruck kommende Problematik hat mich im letzten Jahr zum Austritt aus der AAH bewogen. – Ich bin weder Züchter noch Berufsschäfer, sondern ganz einfach Halter eines Harzer Fuchses aus dem ersten Wurf einer Privatzüchterin. Die Elterntiere unserer Hündin entstammen einer sogenannten „Arbeitslinie“, sie sind übrigens in Ihrem Heft auf S. 35 oben 1.&. 2. v. rechts abgebildet(!).

Unser Fuchs (Lara v. Ohfeld) lebt zusammen mit zwei Deutschen Schäferhündinnen in ganz engem Familienkontakt im Haus, d.h. ohne Zwinger.

Soviel zum Background der folgenden kritischen Anmerkungen zu dem Artikel von (NN) „Der Harzer Fuchs, ein familientauglicher Arbeiter ?“ .-



Die Erhaltung der altdeutschen Hütehunde in Ihren verschiedenen Ausprägungen bis in unsere Tage ist selbstverständlich dem Berufsschäfertum (speziell in der ehemaligen DDR) und seinen speziellen Interessen an der Hütearbeit der Hunde zu verdanken. Wenn nun aber die Zahl der Hunde bedingt durch stark rückgängige Schafhaltung oder aufgrund der Verwendung regionaluntypischer Hunde (Border Collies etc.) so stark reduziert wird, daß Ihre Gesamtpopulation einen kritischen Wert unterschreitet oder zumindest zu unterschreiten drohte (Ende der 90er Jahre), kann doch sehr wohl von einem Handlungsbedarf gesprochen werden. Gerade in dieser bestandskritischen Zeit erschienen dann auch die Artikel zur Rettung der Altdeutschen Hütehunde in der Fachpresse, die auch mich erst auf diese Hunde aufmerksam werden ließen. - Ich gehöre also zu dieser „kleinen Fan-Gemeinde von Nicht-Schäfern, die sich um den Harzer Fuchs gebildet“ hat, und die, so ist jedenfalls mein Eindruck, von (NN) und der AAH mit einigem Unwohlsein betrachtet wird.

Aber ist ein altdt. Hütehund, der nicht an der Herde geführt wird, wirklich ein verlorener, unnützer Hund ?-

Können die Altdeutschen auf Dauer überleben, wenn vom Schäfer nur im „Notfall“ und „planvoll“ (so NN) überzählige Hunde an Privatleute abgegeben werden ?

Nun, die AAH wird beide Fragen mit „Ja“ beantworten müssen und setzt sich damit der Nachfrage aus, in welche Weise denn dann eine geregelte Privatzucht ohne verordneten Nutzungsbezug dem Wesen oder Gebrauchswert der im Hütedienst stehenden Population schaden kann? –

Das auf einem angewölften Instinkt basierende Hüteinteresse der Herdengebrauchshunde, - eine genetische Disposition -, wird durch eine nicht primär am überlieferten Nutzungsinteresse orientierte Privatzucht jedenfalls nicht geschädigt. Im Gegenteil, durch eine Zucht auf breiterer Basis, die im Falle der Harzer Füchse nicht zwangsläufig „nach Schaf riechen“ m u ß, wird die Grundlage der Lebensfähigkeit der Rasse, nämlich die Genvielfalt , nur gestärkt. - Herr L. hat in seinem Artikel sehr richtig und eindringlich auf die Notwendigkeit der strategischen Umorientierung der Zucht der Altdeutschen hingewiesen und erwägt ein Nebeneinander oder besser Miteinander einer Schau- und einer Arbeitslinie innerhalb der Zucht. - Innerhalb der AAH wird er hierfür keine Zustimmung finden, dafür scheint mir deren Auffassung gar zu restriktiv. – Dabei lägen in diesem Ansatz große Chancen für die Zukunft der Tiere, - gewiß auch Gefahren durch vermehrerische Zuchtwillkür, was hier nicht verschwiegen werden soll, die aber auch schon im jetzigen Zuchthandeln nicht ganz auszuschließen sind.

Die AAH ist, und das muß man realistisch sehen, eine Vereinigung von Schäfern zur Erhaltung Ihrer (quasi) „Arbeitsgeräte“ in Form von Hütehunden. Die Zusammenarbeit mit „Laienmitgliedern“ und deren Hunden ist (in der AAH) zu ungenügend, als daß daraus die Impulse für eine geregelte Zucht , wie sie von (NN) in idealistischer Weise dargestellt wird, folgen könnten. Die Schäfer innerhalb der AAH haben gar nicht die Zeit, sich um jeden Privathund in der Art zu kümmern, wie im Artikel beschrieben.

Zum Schluß noch ein paar Worte zur Haltung von Hütehunden im Privathaushalt.-

Ich bin Jahrgang 1955 und mit Hunden großgeworden; n o c h n i e hatte ich einen Hund, der sich so problemlos in eine Familie integriert hat wie unsere Lara !! – Die abschreckenden Visionen von (NN) gehören meiner Erfahrung nach für die Mehrzahl der Hunde ins Reich purer Phantasie. – In meinen Augen bergen diese Hunde (Harzer Füchse) eine Ansammlung von guten, ja besten Hundeeigenschaften in hoher Konzentration. - Im Unterschied etwa zum Deutschen Schäferhund, der übrigens ebenfalls Hüteinstinkt hat, sind sie viel weniger unterwürfig (oder unterordnungsbereit) , im guten Sinne selbständig, sehr stark orientiert auf Ihre Bezugsperson, geistig und körperlich hochbelastbar, verspielt, wachsam – aber dennoch nicht aggressiv. Unsere Lara kam mit 12 Wochen in unser Haus (+ 3600 qm Grundstück) und mußte sich gegenüber 2 ausgewachsenen Deutschen Schäferhündinnen im Rüpelalter behaupten ! – Sie hat beide nacheinander geradezu „um die Pfote“ gewickelt. Mit zielsicherem Instinkt hat sie sich dann der Rudelführerin angeschlossen und ist bis heute deren „Assistentin“. –

Hunde sind immer auch Produkte der in sie investierten menschlichen Zuwendung; insofern können Probleme dann auftauchen, wenn es mit eben dieser nicht stimmt. Wir sollten speziell den Harzer Füchsen einfach mehr zutrauen, als daß sie „nur“ Schafe oder Rinder hüten können, – nein, in Ihrer natürlichen Intelligenz werden Sie auch mit einem „schaflosen“ Alltag spielend fertig; vorausgesetzt , Ihre Menschen machen nicht genau die Fehler, die auch bei anderen, uns von (NN) ans Herz gelegten Hunderassen fatal wären.-

Was ist eigentlich so falsch oder unschön an der Vorstellung, daß nach –zig Generationen von im harten Hütedienst verschlissener Fuchsgenerationen sich einige der Nachkommen in Zukunft auf unseren Sofas lümmeln ? (Lara liebt es, dort auf dem Rücken zu liegen !) –

Nur noch ganz wenige unserer Zeitgenossen brauchen wirklich d e n Hund, dem heute noch das „Schaffieber“ aus den Augen glänzt. D e n kann und will Ihnen auch niemand nehmen; es ist jedoch nicht einzusehen, daß ein solch wertvolles Kulturgut, wie es die altdeutschen Hütehunde nun einmal sind, nur von e i n e r einseitig orientierten menschlichen Interessengemeinschaft in die Öffentlichkeit getragen wird. –

Den Schäfern, die uns über Generationen diese Hunde erhalten haben, schulden wir alle großen Dank (!!). Ich würde mir wünschen, speziell die „Roten“ als eigenständige Rasse endlich anzuerkennen, um eine geregelte Privatzucht zu gewährleisten. Dies wird auf lange Sicht aber nur im Zusammenwirken mit VDH und FCI möglich sein, dem sich die AAH bisher verschließt. Die Verantwortung für die Rasse m u ß aber gesplittet werden, um sie im neuen Jahrhundert und darüber hinaus so zu erhalten, wie sie war : menschenbezogen, hilfreich, liebenswert ! - Aufgaben abseits der Herden gibt es genug, Rettungsdienst, Agility, Schwimmen , Spielen und Toben : einfach glücklich leben mit ihrer Familie.

Davon träume ich und schaue in die Augensterne eines Fuchses, aus denen mir ständige Bereitschaft zur Menschenliebe und Treue entgegenleuchtet !

Mit freundlichen Grüßen !





p.s. : Damit ich nicht falsch verstanden werde : Ich schreibe diese Zeilen nicht , weil ich selbst ein „verhinderter“ Hobbyzüchter bin; ICH selbst will mit meinen Hunden nicht züchten und habe dies in der Vergangenheit auch noch nicht getan.

Es muß engagierten anderen aber möglich sein, geregelt und verantwortungsbewußt d a s zu tun, was für die Hunde richtig ist !

Mein Hund entstammt übrigens einer Hobbyzucht (in der AAH) , die vorbildliche Aufzuchtarbeit geleistet hat. Ich habe einen Hund bekommen, wie er perfekter sozialisiert nicht sein kann. (… und ich habe schon viele gesehen)

Ein Schlußaspekt fällt mir noch dazu ein, wie schnell es gehen kann, daß vertraute "Arbeiter" in Vergessenheit geraten können:

Ich selbst stamme aus dem Siegerland und habe in den 60er und 70er Jahren noch Westerwälder Kuhhunde (Rote) in Aktion an der Herde erlebt. Wenn ich heute mit meinem Hund dort noch vereinzelt existierende Nebenerwerbsschäfer treffe, erkennen die wenigsten den Hund Ihrer Vorfahren wieder.- So schnell kann’s gehen !

Man arbeitet heute eben lieber mit Koppelschafhunden wie Border Collie oder Mischlingen.





Für Ihre Geduld beim Lesen lege ich Ihnen einige Fotos unserer Hunde bei !

********************* Ende des Leserbriefs *******************





Anmerkung des Autors: Es scheint so zu sein, daß der VDH zur Zeit jedenfalls überhaupt kein Interesse hat, sich um die Altdeutschen zu kümmern. In meinen Augen ist dies schade und unverständlich (man kann den "Rasse"gedanken auch übertreiben), es mag aber auch in dem nicht vorhandenen vollen Bekenntnis zur Reinzucht auf seiten der AAH begründet sein. - Die Vereinigung der deutschen Landesschafzuchtverbände (VDL) unterstützt jedenfalls ausdrücklich in ihrer Hüteordnung (1993) den Einsatz von reinrassigen Hütehunden und Hundeschlägen.

Wie dem auch sei, auf lange Sicht wird sich gerade in diesem Punkt die Zukunft der Altdeutschen entscheiden. Es wird einen Übergang zur Reinzucht geben (müssen), und sie wird keinen Schaden für die Berufsschäferschaft bedeuten. Dieses Thema und das genetische Sonderproblem "Tiger" wollen wir demnächst in einer Ergänzung von huetefuchs.de behandeln.

Die Praxis, neuerdings vermehrt Border Collies mit Altdeutschen zu kreuzen, in der Hoffnung, einen Super-Hütehund zu "erzeugen", sollte jedenfalls sofort beendet werden. Das dahinterstehende Denken: Zwei sehr gut hütende Hunde gekreuzt, ergäbe dann eine Spitzen-Hüteleistung bei den Welpen ist so nicht haltbar. Es scheint eher so zu sein, daß sich bestimmte Verhaltensmuster der Hütehunde nur in sehr geringem Umfange direkt vererben, wenn überhaupt.

Sicher, die Zeit der Großherdenhaltung in der Wanderschäferei ist nahezu abgelaufen; der Trend geht hin zu kleinen bis mittleren Einheiten in Koppelhaltung oder der ökologischen Landschaftspflege. Dazu werden, was die Hunde angeht, ganz eigene Anforderungen gestellt. Ein Koppelhütehund hat andere Aufgaben als der Großherdenhütehund im weiten Gehüt oder auf dem Marsch. Deshalb wird es, will man die Altdeutschen im Blick auf ihre "Funktionsfähigkeit" weiterentwickeln, vor allem darum gehen müssen, ihre Eignung für die Koppelschafhaltung zu verbessern. Ob dazu wirklich, wie FINGER (Hirten- und Hütehunde, S. 231) vorschlägt, Kelpie- bzw. Border Collie-Blut eingekreuzt werden sollte, bezweifle ich.

Die Tendenz der Aussage, daß die Zukunft einem Deutschen Koppelschafhund mit dem Border-Collie-ähnlichem Treib- und Hüteverhalten gehört, bleibt jedoch uneingeschränkt gültig.
Bei meiner besonderen Sympathie für die "Roten", wäre mir FINGERs (a.a.O.) Namensvorschlag für dieses Zukunfts'projekt': "DEUTSCHER FUCHS", sehr willkommen.



Nach oben


Warum nicht zwei Wurzeln innerhalb der Zucht? So wie diese zwei Wurzeln den Baum in seiner Standfestigkeit nicht schwächen, sondern stärken, stelle ich mir die Zukunft der Altdeutschen vor: Auf der einen Seite die im guten Sinne "althergebrachte" aber jetzt auf Reinhaltung der Schläge achtende Schäferzucht mit ihren konkret arbeitsbezogenen Auslesekriterien und auf der anderen Seite eine auf körperlich/geistige Gesundheit, Gebrauchstüchtigkeit im Alltag abseits der Herde und von mir aus auch auf Schönheit selektierende, jedoch nicht ausufernde Privatzucht. - Wieso sollen eigentlich so urtümliche Gesellen, wie es die Altdeutschen nun mal sind, nicht auch schön sein ? Die Fehler, die in der Zucht des Deutschen Schäferhundes in der Vergangenheit gemacht wurden, dürfen sich allerdings nicht wiederholen! Insofern appelliere ich an das, was uns als Menschen konstituiert, - die Vernunft!



Nach oben


Ein munterer Wurf Gelbbacken. (Foto A.F.) Aus welchem wird wohl mal ein richtiger Hütehund ? -Raten Sie mit! (Ich versuche das Rätsel demnächst aufzulösen.) Fest steht, jetzt in etwa diesem Alter wären Tests (mit Lämmern) sinnvoll. Übrigens - wo befindet sich die Rasselbande wohl hier? -- Nein, das ist nicht das Wohnzimmer....



Nach oben


na, da sind ja die Hütetiere "in spe" (Foto von A.F.)



Nach oben

Kommentar aus heutiger Sicht

huetefuchs zum Thema : AAH und Zuchtauswahl

Ja, Sie sehen richtig.. dieser Abschnitt enthält ziemlich viel Text - warum..? Nun, es soll Ihnen Gelegenheit gegeben werden, einen Einstieg in die Diskussion um die altdeutschen Hütehunde zu finden. Eine eigene Meinung bildet sich bekanntlich in der Abwägung von Hintergrundwissen und einer von außen herangetragenen (fremden) Ansicht.
So ging und geht es mir zum Beispiel oft beim Lesen von Hundezeitschriften oder Büchern. Besonders hellhörig werde ich dann immer, wenn es (mal wieder) speziell um die altdeutschen Hütehunde (oder Deutsche Schäferhunde) geht.
Die Meinungsführerschaft geht bei nahezu allen Zeitungspublikationen der letzten Jahre dann vom jeweils zuchtbuchführenden Verein/Verband aus, was naturgemäß zu einer in meinen Augen verengten Sicht führt. - Der Leser bemerkt diese aber nur, sofern er über entsprechende Hintergrundinformationen verfügt, die ihn schon im vorhinein ahnen lassen, "wohin der Hase läuft". -

So wird den altdeutschen Hütehunden schon über Jahre von seiten der AAH (Arbeitsgemeinschaft zur Zucht Altdeutscher Hütehunde) ihre (angebliche) Untauglichkeit für das Leben im ganz normalen "Familienrudel" attestiert. Solche Arbeitstiere, denen das "Schaffieber" aus den Augen blitze, kämen in stinknormalen Bürgerhaushalten einfach nicht zurecht, würden geistig verkümmern oder gar Ihren "Frust" in Aggression verwandeln. - (Schlimme Bilder schießen einem durch den Kopf) .
(Anmerkung: Auf der aktuellen Internetseite der AAH (www.altdeutschehuetehunde.de) ist lobenswerterweise bereits eine Abmilderung dieser Aussagen feststellbar - Gott sei Dank, möchte man sagen! Die jedoch immer noch enthaltenen Schilderungen möglicher "Probleme" betreffen alle Hunderassen (!!) vom Dackel bis zum Bernhardiner.)

Nun, wer ist nicht geneigt, dem zu glauben ? Schließlich schreibt doch da nicht "irgendwer", sondern ein kynologischer Fachmann (bzw. eine Fachfrau).-
Es gibt zwei Erklärungsmuster für solcherart Thesen.

Das erste ist : Der jeweilige Autor kennt die Hunde nur sehr ungenügend und oberflächlich, er hält sie zudem für absolut unanpassungsfähig und spricht Ihnen damit ihr höchstes Gut ab, ihre Bindungsfähigkeit und -bereitschaft.

Die zweite Möglichkeit ist ist die meines Erachtens wahrscheinlichere: Man weiß natürlich um die körperlich-geistigen Qualitäten der Hunde -, gehört man doch selbst diesem "elitären Zirkel" ihrer Bewahrer und Hüter an. Insofern ist man nunmehr bestrebt, den Verbreitungskreis des -ja, fast möchte man sagen - des "Kultobjekts" (Hund) möglichst klein, begrenzt und geheim zu halten. - Das gibt man leider nicht offen zu, sondern bedient sich des Mittels der Abschreckung mittels der Thesen, die ich oben skizziert habe.

Ich setze deshalb folgende Ansicht dagegen, und damit "wird erst ein Schuh aus der ganzen Sache" : Die Altdeutschen Hütehunde sind von allen ihren Anlagen her so gut für ein Leben im Familienrudel geeignet, daß man in Kenntnis der sich daraus ergebenden Attraktivität von seiten des (einzig)zuchtbuchführenden Verbandes geradezu panische Angst vor einer möglicherweise verstärkt entstehenden Privatzucht hat. Deshalb hat man auch eine Zuchttauglichkeitsprüfung , die an der Herde durchgeführt wird ("Hütetrieb(?)zeigen", "Furche annehmen","Griff zeigen"), beschlossen. Hier sollen auch privat gehaltene Hunde ihre Hüteeigenschaften unter Beweis stellen, bevor mit ihnen gezüchtet werden darf. - Den Sinn dieses Unterfangens für einen im Privathaushalt lebenden Hund muß mir erst einmal jemand erklären !- Der Aussagewert dieser Prüfung ist für den Privathalter gelinde gesagt "sehr gering" - sie kann bestenfalls einen sehr groben Anhaltswert über den evtl. zu erwartenden Zeit- und Arbeitsaufwand liefern, wollte man diesen oder jenen speziellen "Prüfling" wirklich zum Herdendienst ausbilden. Dabei ist noch fraglich, ob eine solche Aussage über die mögliche Berufseignung eines Prüflings wirklich nur anhand eines punktuellen Tests der Intensität seines angeborenen Jagdverhaltens (erwachsener/zuchtfähiger Hunde) möglich ist. Hier sind ernste Zweifel angebracht.



Nach oben


Im weiten Gehüt Die beiden Gelbbacken machen es richtig - Die Herde steht gut und bewegt sich gemächlich grasend vorwärts. Es besteht kein Grund für die Hunde hier einzugreifen. Hüten ist kein "Selbstzweck" oder eine Art Sport, - in erster Linie geht es darum, der Herde Gelegenheit zu reichlicher Futteraufnahme zu geben! (Foto A.F.)



Nach oben

WAS IST "HÜTEN" ?

Kein Hütehund kommt als solcher schon fertig auf die Welt ! Vielmehr kann man allenfalls sagen: Seine erblichen Dispositionen indizieren seine spätere Leichterziehbarkeit auf diesen Beruf hin. (Anm.: Auch unter uns Menschen hat es z.B. ein Zahnarzt- oder Pastorensohn leichter, in den Vaterberuf zu gehen, als andere).- Ein Welpe, der in einen Schäfereibetrieb hineingeboren wird, kann einer Schaf-Hund-Beziehung ja kaum entgehen, er "wächst praktisch in die Herde hinein" und versteht sie im Idealfall als Teil seiner Meute und die Person des Schäfers als deren Anführer, den es instinktiv zufriedenzustellen gilt.- Was uns da etwa bei einem Urlaub in der Lüneburger Heide, in der Rhön oder sonst irgendwo diesen friedlichen Eindruck von "Schäferromantik" vermittelt, ist in Wirklichkeit (und aus Hundesicht) eine gegenseitig aufeinander angewiesene "Arbeitsgemeinschaft", ja ein großes Rudel. Der "Hütehund" "hütet" eigentlich gar nicht, er gehorcht seinem inneren Antrieb, die Meute auf dem Marsch oder bei der Ruhe zusammenzuhalten und gegebenenfalls widerspenstige (abtrünnige) Rudelmitglieder durch das Machtmittel "Griff" wieder in die Gruppe/Herde zu "integrieren". Die von uns als "Hüten" wahrgenommene Tätigkeit ist für den Hund also eigentlich eine sozial integrative Handlung, die ihren Ursprung in Zwängen hat, die dem Hund als Wolfserben innewohnen; er ist ge"trieben, sich im Verband/Rudel einem respektierten Anführer (Schäfer) unterzuordnen und gleichzeitig in der untergeordneten Hierarchie (Schafe) Respekt einzufordern bzw. durchzusetzten.- Von hierher erklärt sich dann auch das Fehlen des "finalen Zugriffs" auf die (vermeintliche) "Beute"; der ein Schaf tötende Hund beginge quasi einen ernsten Verstoß gegen das ihm innewohnende "Canidengrundgesetz", er beginge "Sozialverrat".

Insofern sollte auch weniger von einem wie auch immer gearteten "Hüteinstinkt" gesprochen werden; was hier zum Tragen kommt ist viel mehr der in jedem Hund unterschiedlich stark veranlagte Trieb oder Zwang, sich als soziales Rudeltier zu verhalten. Hütefähigkeit ist insofern also kein dem Hund etwa durch die lange Zeit der Domestikation oder die spätere Zucht in die Gene eingepflanztes und sich jetzt quasi selbständig vererbendes "Kulturerbe", wie manche offenbar glauben.

Hütehunde werden zu solchen gemacht, erzogen, ja auserwählt, indem man sich ihre Grundeigenschaften gezielt zu Nutze macht und die Ausbildung möglichst früh und in der Herdenpraxis beginnen lässt! Ideales "Hüten" ist im oben beschriebenen Sinne keine Gehorsamsleistung im landläufigen Sinne, auch wenn es manchmal so aussieht. Es sollte vielmehr als Ergebnis eines Prozesses gesehen werden, in dessen Verlauf der Hund seine Rolle als "Nummer 2" im "Schäfer-Hund-Schafe-Rudel" erkennt (!) und damit instand gesetzt wird, seine Aufgabe als "verlängerter Arm" des Schäfers zu erfüllen.

Ganz wichtig und bedeutsam für den Erfolg ist dabei das Vorhandensein und das Vorbild eines schon ausgebildeten "fertigen" Althundes, von dem der Junghund (als Azubi) vieles lernt - durch Nachahmung!

Für jeden Schäfer ist das eine Binsenweisheit. - Im Prinzip kann mit jedem Hund, der über Jagdtrieb verfügt, gehütet werden, vorausgesetzt, er wurde entsprechend angeleitet und ausgebildet (sogar mit dem Foxterrier, wie mir ein alter Schäfer glaubhaft berichtet hat; zum Hüten mit einem Dobermann (HGH) vgl. www.faqs.org/faqs/dogs-faq/breeds/dobermans). Solche "Seiteneinsteiger"-Hütehunde werden jedoch nicht das Maß an Selbstständigkeit und andauernder Konzentration auf die Arbeit zeigen können, wie die "Spezialisten", sie werden wohl eher auf ständige, gezielte Kommandos durch den Schäfer angewiesen sein.

Verantwortungsvolle Hütehundezüchter beginnen schon allein aus Effektivitätsgründen im frühen Welpenalter mit Tests, um das Grundinteresse für Schafe zu prüfen. Die "schafgierigsten" werden dann weiteren Prüfungen unterzogen, um eine eventuelle Eignung für die Hütearbeit möglichst früh festzustellen, damit Zeit und Ausbildungsaufwand auch wirklich in den geeignetsten "Kandidaten" investiert werden.
Grundlage der weiteren Wochen und Jahre der Ausbildung (,man kann -vergleichbar mit dem Erlernen eines Handwerksberufes- von einer etwa 3jährigen Lehrzeit ausgehen,) ist neben der auf Vertrauen und spielerisches Lernen basierten Gehorsamsarbeit, die Schaffung eines "Klimas", das es dem Lehrling ermöglicht, seine schon in den Tests erwiesenen instinktlichen Veranlagungen (starke soziale Bindungsfähigkeit, starker Beutetrieb) in möglichst selbständiges Arbeiten an der Herde umzusetzen. Es geht darum, die Energie, die vor allem der Beutetrieb im Hund freisetzt, in "soziale Energie" zu transformieren. Das ist dann die (treibende) Kraft, die den wirklich guten Hütehund "bis zum Umfallen" für seinen Anführer (Schäfer) arbeiten läßt. Jeder versteht sofort, daß Vertrauen und Respekt die ausbildungstragenden Begriffe sein müssen; jede Art von Strafen (im menschlichen Sinne) oder gar die Anwendung von Gewaltmaßnahmen hat tunlichst zu unterbleiben, sie wären in höchstem Maße kontraproduktiv. Gewalt hemmt Selbständigkeit, Konzentration und gefährdet im Wegfall der Vertrauensbasis die "Energie-Ressource", die wir eigentlich im Hund abrufen wollen. Man kann sagen: Gewalt stärkt nicht, sondern schwächt unsere "soziale Akzeptanz" beim Hund. Der Schäfer will doch gerade, er sollte es zumindest wollen, das natürliche Appetenzverhalten des Hundes, d.h. seine zunächst ungerichtet suchende Aktivität der triebbefriedigenden Reizsituation in genau die Bahn lenken, die ihn (Hund) im Dienst an der Herde, für den Schäfer, seine Erfüllung finden lässt. Hier liegt die wahre Kraftquelle des wirklich guten Hütehundes: Es ist nicht primär die Gehorsamsleistung oder der Grad an körperlicher Fitness, die ihn im Schäfersinne so unermüdlich agieren lässt, es ist auch nicht etwa die "Freude" an der Arbeit, nein, es ist triebgesteuertes Handeln, wobei die Triebbefriedigung vom Hund als im Handeln selbst verborgen, wahrgenommen wird. Unnötig viele Kommandos oder gar menschliche "Härte" verwirren, lenken ab von dieser Konzentration auf das "Wesen"-tliche.



Nach oben


Lara in der Furche....? Klick auf das Foto! Soll ich mir jetzt etwa einbilden, Lara zeige hier schon Hüteinstinkt, weil sie in der gleichen Furche läuft, wie kurz zuvor die an der Herde arbeitenden Hunde?? -- Zum FURCHEGEHEN habe ich in meinem BLOG http://harzerfuchs.blogya.de/HarzerFuchs/ einige Ausführungen gemacht, die Sie einsehen können, wenn Sie auf LARA's FOTO OBEN KLICKEN !!!



Nach oben

So schreibt schon K.H. FINGER in seinem Hütehundebuch (s. Literaturverzeichnis): "Der Gebrauchswert im Herdendienst beruht hauptsächlich auf Veranlagung, die entwickelt werden muß durch Qualität der Ausbildung und die Fähigkeit des Hundeführers" (S. 123f.).

Damit Sie nun nicht denken, hier würde nur kritisiert, halte ich eines fest : Den Hunden macht dieser Test mit Sicherheit Spaß (!) Nur wem ist damit wirklich gedient ? Diese Frage muß erlaubt sein. Die Berufsschäferei ist ein zu ernstes und arbeitsintensives "Handwerk", um sich abseits von Interessen nun auch noch einer ganzen "Herde" von "Hobby- oder Privatschäfern" mit Ihren Testhütehunden widmen zu können. Ich warne nur davor, aus diesem ganzen Leistungsvoraussetzungsdenken Werturteile abzuleiten. Der Wert eines Hundes bemisst sich stets individuell, das gilt für den Familien-Sofahund, ebenso wie für den Profi-Hütehund oder den SchHIII-Schäferhund.
In diesem Zusammenhang spielt der menschliche Faktor, spielen Umwelt- und Aufzuchtbedingungen die Hauptrolle und nicht die wie auch immer zu messende Intensität einer Reizreaktion.- K.H. FINGER (Hirten- und Hütehunde, S. 124) hat recht, wenn er für die Welpenzeit feststellt: "Die jetzt investierte, aber nie mehr später nachholbare Zuwendung wird vielfach zurückgegeben, da sie den Grad von Zuneigung, Ausbildungs- und Leitwilligkeit begründet."



Dem ist nichts hinzuzufügen ... außer :

....einer Internet-Adresse (kein Link!), die in sehr positiver Weise zeigt, daß der Kontakt von privat gehaltenen Hütehunden (hier Fuchs) zu Schäfern und Schafen für alle Beteiligten sehr interessant sein kann. Es wird aber auch deutlich, daß solche Kontakte nicht "'mal eben so..." (quasi nebenbei) zu erledigen sind (Autorin ist Tierheilpraktikerin & Tierpsychologin). Sie machen zumindest keinen Sinn. Die AAH wäre insofern gut beraten, diese fragwürdige Veranstaltung als feste Institution für Hunde in Privathand schnell wieder abzuschaffen, eine zuverlässige Aussage über die Hüteeigenschaften eines Hundes lässt sich so jedenfalls nicht treffen, dazu gehört einfach mehr. Man bedenke auch die eventuellen Folgen, die solche "Schafkontakte" für die Haltung des jeweiligen (jetzt vielleicht "schafgierig" gewordenen) Hundes im Alltag nach sich ziehen können.
(TIP: besuchen Sie: http://home.arcor.de/heikes-tierecke ; siehe Link auf der Seite "NEUES")



Nach oben

Zur Geschichte und Verbreitung der Altdeutschen

huetefuchs zum Thema : "Wie kommt der "Rote" vom Harz auf die Höhen des Westerwalds ?"

Dazu :

Ein kleiner Denkanstoß





Wer heute aufmerksam die Diskussion um die altdeutschen Hütehunde in den Fachmedien verfolgt, dem fallen zunächst die unterschiedlichen Namen auf, die für den alten ost- und mitteldeutschen roten Hütehund gebraucht werden. –

Da ist in schöner Regelmäßigkeit vom „Harzer Fuchs“,“Thüringer Fuchs“, „Westerwälder Fuchs / Kuhhund“, „Siegerländer Fuchs“ oder gar „Deutschem Fuchs“ die Rede. Oft werden sogar innerhalb von Publikationen die Begriffe synonym verwendet.- Dies ist unschön, verwirrt die Leserschaft und bedient im Endeffekt auch nur eine Konvention, die erst nach der politischen Wende aufgekommen ist. Bei den Schäfern, denen wir im Besonderen das Überdauern der Hunde verdanken, hießen und heißen die Hunde einfach nur „Fuchs“ oder „Roter“ in Abgrenzung etwa zum “Schwarzen“, dem „Tiger“ oder der „Gelbbacke“.-

Wir sollten also aufhören, mit ständig wechselnden Begrifflichkeiten aufzuwarten und statt dessen die Hunde so bezeichnen, wie sie schon immer hießen. – Ob ein Fuchs aus dem Siegerland (,wo Ihn übrigens nahezu niemand mehr kennt,) und einer aus den Höhenlagen des Harzes genetisch weitgehend identisch sind oder nicht, vermag ich nicht zu sagen; es wäre eine Aufgabe der Naturwissenschaftler, hier für mehr Klarheit zu sorgen (DNA-Analyse).

Historisch kann man durchaus soziale Beziehungen zwischen den Hauptverbreitungsgebieten der „Roten“ : Harz, Thüringen, Sachsen-Anhalt , Siegerland, Wittgensteinerland und Westerwald auch in Auto-loser Zeit als wahrscheinlich annehmen. Interessanterweise war das Haupthütevieh der Hunde, also die Rinder, in allen drei Gebieten ursprünglich von dunkelbrauner (roter) Fellfarbe (bis ins letzte Jahrhundert).- Rotbuntes bzw. Schwarzbuntes Rindvieh ist dort erst später vorherrschend geworden.

Speziell im Wittgensteinerland gab und gibt es heute noch große Schauen mit allen Vertretern bäuerlich nutzbarer Haustierrassen (z.B. in Leimstruth / Stünzel, Krs. Siegen-Wittgenstein). Diese Veranstaltungen waren und sind Anziehungspunkte für Bauern und Schäfer aus nah und fern.- Ich stamme selbst aus dem Siegerland (siehe FOTOS hier) und weiß von meinem Großvater (geb. 1897), daß es noch im letzten Jahrhundert durchaus üblich war, sich wegen einer Kuh oder eines Zugochsen auf den beschwerlichen Weg „ins Wittgensteiner“ (erg. „Land“) zu machen und dort den Handel abzuschließen. Anschließend gings dann zu Fuß und mit Vieh am Halfter wieder zurück.-

Auf solchen Wegen erreichten auch Schafe und natürlich auch Arbeitshunde zur Blutauffrischung ihre neue Heimat. Sie dienten dort über Jahrhunderte in einer Sonderform der landwitschaftlichen Nutzung in den durch Siedlungen, Täler und intensiv genutzte Flächen zeklüfteten Gebiete des Siegerlandes, des Westerwalds und des oberbergischen Landes, die man allgemein als "Hudewirtschaft" bezeichnet. Im Siegerland und den direkt angrenzenden Landesteilen kam und kommt noch die Sonderform der "sog. Haubergswirtschaft" hinzu. - Das Charakteristikum der Hudewirtschaft ist die tägliche Betreuung des Viehbestandes entweder mehrerer Bauern oder eines ganzen Dorfes durch einen Viehhirten. Dieser sammelte frühmorgens die Tiere (zumeist Rinder) im Dorf ein und trieb sie unter Mithilfe seiner (meist 2) Hunde auf die umliegenden Weideflächen. Zumindest der morgendliche Aus- als auch der allabendliche Wiedereintrieb erforderte besondere Qualitäten der Hunde, ging es doch zumeist vorbei an den nicht sehr großparzelligen intensiv genutzten Feldern oder Gartenflächen in Ortsnähe. "Wehren" auf engem Raum stand hier wohl ganz oben auf der Tagesordnung und erforderte eine "Grifftechnik" , die man "modern" gesprochen als blitzschnelles "Pack and go!" beschreiben könnte. Widerspenstige oder am falschen Platz gefräßige Huftiere wurden blitzschnell am Bein (Fessel der Kuh) und zwar am Standbein gepackt , um sich dann ebensoschnell wieder wegzudrehen und aus der Reichweite des beim nächsten Schritt wieder freien Hufes zu begeben. Eine vergleichbare Grifftechnik wird auch vom in Schweden beheimateten Västgötaspets (Schwedischer Vallhund / Westgotenspitz) berichtet. - Obwohl schwer vorstellbar, muß man wohl annehmen, daß diese Technik über die Jahrhunderte genetisch irgendwie fixiert ist. Denkbar wäre aber auch eine überdurchschnittliche Begabung dieser Hunde, was die genaue Beobachtung von Bewegungsabläufen von Mensch und Tier angeht, anzunehmen. Das diese bei Hütehunden vorhanden ist steht außer Zweifel - ein kleines Beispiel: Ich bin Pfeifenraucher, täglich stopfe ich mir mehrfach so ein qualmendes Holzteil, das abgebrannte Streichholz lasse ich fast immer auf den Deckel der Tabaksdose fallen. Im Anschluss ans Anzünden steht dann ganz Verschiedenes an - entweder im Sessel lesen, an den PC(wie jetzt), in die Garage oder eben mit den Hunden raus in den Garten oder Wald.- Alles bleibt ruhig.- Sobald ich aber auch nur diesen Gedanken fasse (und dabei das Streichholz fallen lasse) ..."ich geh jetzt in den Wald..!", sind alle drei auch schon jubilierend aus der hintersten Ecke da und feuern mich zu Höchstleistungen beim Schuheanziehen an! Das ist sicher nicht erblich, aber Produkt der genauen Registrierung kleinster mimischer, motorischer oder vielleicht sogar olfaktorischer (geruchlicher) Anzeichen. Die Hunde lassen sich dabei auch nicht täuschen - ich habe schon alles ausprobiert - . Wenn diese präzise Beobachtung mit allen Sinnen aber bei unseren "Sofahunden" so gut funktioniert , um wieviel enger müssen dann die Beobachtungstoleranzen bei diesen Arbeitshunden sein (oder gewesen sein) , die noch im täglichen "Ernstfall" stehen.- Wie dem auch sei, es ist faszinierend.

Interessanterweise handelt es sich bei den in Frage stehenden oben genannten Regionen um ganz ähnliche Landschaftstypen. Es sind vornehmlich von Tälern durchzogene, karge Hochlagen mit in der Regel kleinen Siedlungen und kleinen Parzellengrößen, die ein Großbauerntum (wie etwa im Münsterland oder der Wetterau) nicht zuließen. Das rauhe Klima , die nicht sehr günstige Bodenbeschaffenheit und die kleinparzellige Feldflur machten den intensiven Ackerbau im großen Stil nahezu unmöglich, so daß betriebsgrößenangepasste Viehhaltung in Kombination mit bescheidenem Anbau des Möglichen die Lebensgrundlage der Landbevölkerung bildete. – Die Hudewirtschaft entlastete insofern die zumeist kleinbäuerlichen reinen Familienbetriebe bis auf die Wintermonate von der täglichen Sorge für genügend Viehfutter, als sie Weideressourcen frei machte für die Anlage des notwendigen Heuvorrats für diese Zeit.



Nach oben

Bilder aus dem Siegerland

Siegerland (Westf.)



Nach oben

Kleiner Exkurs: Herdenschutzhunde

Kleiner Exkurs : HERDENSCHUTZHUNDE und HÜTEHUNDE (2 UNTERSCHIEDLICHE TÄTIGKEITSFELDER)

Viehzüchtende Kulturen auf der ganzen Welt haben seit jeher den Schutz ihrer Herden vor Raubtieren oder menschlichen Räuberbanden zuallererst in die "Pfoten" von großen, stattlichen Herdenschutzhunden gelegt. Ihre Aufgabe bestand vornehmlich darin, "in der Herde aufzugehen", nicht als Fremdkörper aufzufallen, die Hütetiere zu akzeptieren als "Rudelmitglieder" und von ihnen gleichfalls akzeptiert zu werden. Deshalb war es ratsam, Welpen quasi vom ersten Tag an in der Herde aufwachsen zu lassen, um diesen prägenden Effekt zu erzielen. Bei dieser Integration in die Herde benötigen beide Teile (also Herde und Hund) menschliche Aufsicht; ist sie gelungen, "wird der Hund überspitzt formuliert zum "Schaf"". (G.Bloch, Der Wolf im Hundepelz,S.187)

So wird man beispielsweise einen Komondor (FCI-Nr.53/1.1) in einer ziehenden Schafherde mittrottend gar nicht oder nur sehr schwer ausmachen - die perfekte Tarnung. Ähnliches gilt auch für den Pyrenäenberghund und viele viele andere großen Hirtenhunde, deren ureigenster Beruf es war und ist, als "Schaf in Canidengestalt" (Bloch, ebd.) über die Sicherheit der "Familie" zu wachen. Ob die Eingliederung allerdings so weit geht, daß einige dieser Hunde sich sogar von Schafmüttern Milch "abzapfen", wie Bloch (S.188) behauptet, überlasse ich Ihrer Phantasie - möglich wäre es allerdings.

Herdenschutzhunde hüten nicht, sie verteidigen lediglich vehement die Herde als ihren Familienverband, zeigen sich also im besten Sinne als hochsoziale Wesen. Sie tun dies (vor allem nachts) völlig eigenständig, benötigen dafür keine besonderen Kommandos oder menschliche Hilfestellung. -Übrigens ein Grund dafür, warum solche Rassen in heutiger Zeit so ihre Probleme mit sich bringen.- Für einen Haushalt mit freilaufendem Herdenschutzhund im Garten möchte ich jedenfalls nicht unbedingt als Postbote arbeiten...
(Tips für weitere Informationen über Herdenschutzhunde: das Buch von G. Bloch (s. oben) und folgende Internetseiten aus den USA: www.all-animals.com/groveland/index.html zum Maremma-Abruzzenhund (FCI-Nr. 201/1.1) und www.milkandhoneyfarm.com zum Pyrenäenberghund (FCI-Nr. 137/2.2).)
.....

Daneben wurden quasi als Werkzeuge zur direkten Einflussnahme auf die von A nach B zu treibende Herde wendige, ausdauernde, durchaus auch mutige, gesunde und gleichzeitig genügsame Hütehunde gebraucht. Das war (und ist) ein völlig anderer "Berufszweig" und man sollte die entsprechenden Hunde auch begrifflich nicht verwechseln, wie ich es in der Vorbereitung dieser Seite immer wieder auch aus "berufenem Munde" erlebt habe. Je nach Landschaftstyp, Art und Anzahl des Hüteviehs, klimatischen Gegebenheiten und heutzutage betrieblichen Anforderungen (vermehrte Koppelhaltung) bildeten sich die Hundetypen heraus, die wir als Hüte- oder Schäferhunde bezeichnen.

Viele dieser direkt an der Herdenseite arbeitenden urtümlichen Hunde (-der sog. Deutsche Schäferhund kommt als Neuzüchtung hier nicht in Betracht-) sind, jedenfalls in Mittel- und Nordeuropa, Hunde von mehr oder weniger ausgeprägtem "Spitz-typ". Ich würde unsere Altdeutschen Roten, Schwarzen und Gelbbacken jedenfalls dazuzählen. Dieser Typ scheint in Deutschland urprünglich von dem inzwischen wohl ausgestorbenen Hütespitz geprägt worden zu sein. Wenn dem so ist, kann ich nur sagen - schade, eine maßvolle Zucht durch private Liebhaber hätte den endgültigen Verlust wertvollen Genmaterials sicher aufgehalten, wenn nicht sogar ganz verhindert. Die Existenz dieser deutschen Hütespitze liegt im übrigen so sehr im Dunklen, daß es sehr schwer ist, an gesicherte Informationen zu gelangen. Im letzen Jahrhundert scheinen jedoch noch vereinzelte Exemplare existiert zu haben.

Aus einer Zeit, als es die oben beschriebene Spezialisierung auf bestimmte Tätigkeiten noch nicht gab, stammt der folgende Text, den ich aus dem Buch von v. Stephanitz (S.88f.) zitiere: Besonders der zweite Abschnitt zeigt, daß bereits im Mittelalter (,der zugrundeliegende Text ist noch älter als die erste Druckausgabe,) der menschlichen Zuwendung zu den Tieren großer Wert beigemessen wurde.
(Tip : www.sheep-herding.com/index.htm - eine Seite aus New Jersey/USA)



Nach oben


Der Text wurde im Jahr 1494 erstmals gedruckt! Zitiert aus v.Stephanitz, Schäferhund in Wort und Bild, S. 88f.



Nach oben

Der Verbreitungskreis spitztypischer Hütehunde deckt sich nahezu mit dem "Wirkungskreis" der Wikinger im frühen Mittelalter. Das muß an sich noch nichts bedeuten, gewinnt aber an Relevanz, wenn man die "Betätigungen" der Nordleute nicht ausschließlich auf das "Hauen und Stechen" ihrer Eroberungszüge reduziert. Sie waren in ihren skandinavischen Heimatgebieten und in den von ihnen besiedelten und kolonialisierten Landstrichen durchaus begabte und erfolgreiche Landwirte und Viehzüchter, was man gerne vergisst. Die frappierende Ähnlichkeit in Anatomie und Hüteverhalten von Västgötaspets (Schweden) und den Corgis (Cardigan bzw. Pembroke) aus England lässt sich nur durch Annahme einer direkten Verwandtschaftsbeziehung erklären. Ob nun aber im "Gepäck" der Wikinger zuerst der "Spets" nach England "reiste", um dort zum Corgi zu werden oder ob die Fahrt umgekehrt verlief, bleibt wohl ungeklärt. (Schöne Bilder vom Hüten mit dem quirligen "Schweden" finden Sie auf der Homepage des amerikanischen Zuchtverbandes unter der Adresse: http://www.swedishvallhund.com/activities.htm ; zum Corgi (Pembroke) s. www.pembrokecorgi.org ).



Nach oben


Västgötaspets Bildquelle: Wikipedia



Nach oben


Spitztypische Hüte- und Jagdhunde in Europa Anm.: Der grüne Kreis in Mittelengland steht für den Welsh Corgi (FCI-Nr. 38/1.1 bzw. 39/1.1)



Nach oben

Hier geht's weiter zu ...

Das huetefuchs-Rudel
Jugendzeit
Fotos
Licht und Schatten
Zum Gedenken....
Das Alter (ab Sept. 2008)
Ondra (15.6.1997-14.7.2009)
Die spezielle Problematik der Altd. Hütehunde
"Rettet die Altdeutschen Hütehunde"!
Special: "Herdenschutzhunde"
Zur Geschichte der Schafwirtschaft
Wie geht Hundezucht ? (SATIRE)
Die Zucht Altdeutscher Hütehunde
Zuchtempfehlungen
Der Deutsche Schäferhund
Zur Geschichte des DSH
Problem: Schutzhund
Altdeutsche Hütehunde
Tips, Hinweise, Links, Impressum
Lustiges
Virtuelle Hundewiese
Gästebuch
Hinweise zu huetefuchs.de
Die IGMH
Zuchtordnung
Ordnung zur Registrierung
Regelung der Gesundheitsprüfung
Rassebeschreibung
Wissenswertes
Neues von huetefuchs (ab 2009)



Nach oben


"Fuchs" (Foto A.F.) 



Nach oben

Counter

Nach oben