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Zur Geschichte der Schafwirtschaft




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Folgenden Artikel hat mir Helmut Lenz freundlicherweise zur Verfügung gestellt - Vielen Dank, Helmut.



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Schafhaltung bedingt Hüteweise

(.... von Helmut LENZ, Ditfurt)


Es gilt wirtschaftshistorische Gründe zu beleuchten, um die unterschiedliche Arbeitsweise von Bordercollie und Co. gegenüber dem kontinentalen Hütehund, insbesonders unseren Altdeutschen Hütehunden zu hinterfragen.

Die mittelalterliche Schafhaltung und die damit verbundene Wollproduktion expandierten mit der zunehmenden Verstädterung und der beginnenden Arbeitsteilung durch das sich bildende Handwerk.
Die bisherige bäuerliche Schafhaltung, die nur zur eigenen Bedarfsdeckung betrieben wurde, expandierte.
Im Allgemeinen war die Wollqualität schlecht und eignete sich gerade mal für den Hausgebrauch, zur Produktion grobwolliger Stoffe.

Im Wesentlichen waren es 2 Länder, die sich seit dem 12. Jahrhundert durch ihre fein- und landwolligen Schafe auszeichneten. Es waren England und Spanien. Beide Länder belieferten lange den europäischen Markt mit Wolle und Wollprodukten
In Deutschland machten sich erst mit dem ausgehenden 12. Jahrhundert Anzeichen für die Veredlung der heimischen Rassen bemerkbar. Im 15. Jahrhundert wurden bereits flämische Schafe von Regensburger Kaufleuten gehalten und wurden pommersche Schafherden mit englischen Zuchtböcken veredelt.
Es verlagerte sich die Schafhaltung auf Kosten der Bauern immer mehr in die landwirtschaftlichen Großbetriebe.

Ein für Europa der damaligen Zeit markantes Beispiel war England, wo die Schafzucht schon seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen schnellen Aufschwung genommen hatte. Die Gründe hierfür lagen einmal im Übergang vom Wollexport zur Wollverarbeitung im eigenen Land und in dem Mangel an Arbeitskräften, welcher durch den " Schwarzen Tod " , der ein Drittel bis zur Hälfte der Bevölkerung dahingerafft hatte , entstanden war.
Der Mangel an Arbeitskräften führte aber auch dazu, dass die feudalen Landbesitzer zahlreiche Konzessionen machten mußten, die letztendlich zu einer Verbesserung der Arbeits - und Lebensbedingungen führten.
Neue Epidemien aber hatten eine weitere Dezimierung der Bevölkerung zur Folge. Der Mangel an Arbeitskräften wurde immer prekärer und führte zu einer weiteren Steigerung der Schafhaltung, da man diese ja mit einem Minimum an Menschen betreiben konnte.
Da sich die Schafzucht als sehr profitabel erwies, ging man sogar zur Vertreibung von Bauern über. Aus der Not (an Arbeitskräften) wurde eine profitable Tugend.



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Von sich aus wandelten die Grundherren ihr gutes Ackerland in Weideland um, man scheute sich auch nicht, ganze Dörfer niederzureißen.
Die Bauern, deren Existenz ernsthaft in Frage gestellt war, antworteten darauf ähnlich wie die Maschinenstürmer 300 Jahre später. Es kam zu einem großen Aufstand von 1549, in dem bis zu 20 00 Schafe getötet worden sein sollen.

Das englische Beispiel zeigt, daß das Anwachsen der Wollschafhaltung nicht nur auf Kosten der bäuerlichen Schafhaltung, sondern auch auf die Struktur der Anbauwirtschaft ging!

Eine Entwicklung der Schafhaltung, wie wir sie im England des 15./16. Jahrhundert verfolgen konnten, schoben in Deutschland die Landesherren (nicht die Gutsherren) beizeiten einen Riegel vor. Es setzte mit Beginn des 16. Jahrhunderts eine staatliche zentralisierte Wirtschaftpolitik ein. Die gesetzgeberischen Maßnahmen zielten darauf ab, die finanziellen Einkünfte des Staates zu sichern bzw. zu fördern. Dem einher ging aber auch das Bestreben, die Schafzucht und -haltung zu fördern, sie aber im rechten Rahmen zu halten und Auswüchse zu unterbinden.
Zahlreiche Schäfereiverordnungen der damaligen Zeit beweisen das.
Die strukturelle Entwicklung im Deutschland der damaligen Zeit verlief gegenüber England gegensätzlich.
Die bäuerliche Ackerkultur blieb erhalten.

Diese gegensätzliche Entwicklung der Agrarstrukturen: England - Deutschland war auch der Knackpunkt für die unterschiedliche Entwicklung der angelsächsischen Hütehunde gegenüber den Kontinentalen.

England einschließlich Schottland war auf Grund der weiten, riesigen Weidegründe für eine " freie" Schafhaltung prädestiniert.
Dazu muß man wissen, daß Schafe bei einem entsprechenden Futterangebot sehr standorttreu sind. Diese Ortsbezogenheit nutzt man auch heute noch und läßt die Schafe ohne Aufsicht in den Weiten der Farmgelände laufen. Sie werden nur wenige Male im Jahr zu Pflegemaßnahmen o.ä. zusammen getrieben. Das bedeutet aber auch, daß diese Art der Schafhaltung sehr schnell zu einer Verwilderung führt. Diese Scheuheit der Schafe verlangt letztendlich einen Hütehund, der auf Distanz die Schafe treibt. Die direkte, spontane Arbeitweise unserer Altdeutschen würden diese Schafe in Panik versetzen. Sie sind für diese Form der Weidehaltung unbrauchbar.



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Der Erhalt der bäuerliche Strukturen in Deutschland und der damit verbundenen Ackerkultur, hier griffen bereits neue Erkenntnisse, wie Fruchtfolge etc., verlangt durch die daraus entstandene Parzellierung der Felder eine ganz andere, gegensätzliche Hütetechnik.

Grundvoraussetzung hierzu war das Zusammenspiel von Schäfer - Herde - Hund. Das " Vertrautsein " der Schafe mit Schäfer und Hund waren Voraussetzung für eine effektive Hütehaltung innerhalb einer sich immer weiter spezialisierten Ackerwirtschaft. Sie läutete aber auch gleichzeitig das Ende einer Epoche ein. Dazu einige Zahlen, die diese rückläufige Tendenz untermauern sollen: 1873 waren in Deutschland statistisch 25 Millionen Schafe erfasst, 1900 waren es bereits nur noch 10 Millionen diese Zahl sank 1914 auf nur 5,4 Millionen. Bitte beachten, dass Deutschland flächenmäßig damals andere Ausmaße hatte.

Die Zeit des " Goldenen Vlieses " ist lange vorbei. Mit der damaligen Ablösung der Dreifelderwirtschaft, durch die Einführung intensiver Anbaumethoden, hier insbesondere der Durchsetzung der Fruchtfolge, Flurbereinigungen und Auflösung alter Weidegerechtigkeiten sanken die Möglichkeiten für die Schafzucht beträchtlich.
Hierzu ein Beispiel: bereits 1779 erließ die hessische Regierung einen Erlaß gegen das " Schädliche Hüten " Der Futteranbau sollte erweitert und die Stallhaltung gefördert werden.
Die stark intensivierte Anbauwirtschaft war jedoch nur ein Faktor, der zum Niedergang der Schafhaltung führte. Ebenso war ein wesentlicher Umstand der zunehmende überseeische Wollimport.
Hatte sich zur Zeit des "Goldenen Vlieses" das Ansehen des Schäferstandes gehoben, schwand nun seine Bedeutung infolge der rückläufigen Tendenz der Schafhaltung. Nach 1900 hatten Gemeinden u.a. zunehmend Schwierigkeiten einen "guten" Schäfer zu bekommen. Der allgemeine Wohlstand hob sich, es gab vielerlei Erwerbsmöglichkeiten und von Beruf Schäfer zu sein galt vielfach als nicht fein genug. Man konnte sagen, daß die Schäfer der guten alten Zeit früher ausgestorben waren als ihre Herden selbst.
Dies alles hatte naturgemäß Folgen in der Traditions- und Brauchtumspflege eines alten, wenn nicht gar des ältesten Berufsstandes.
Eng verbunden damit die Zucht und Haltung der "Altdeutschen Hütehunde“.

Auch nach 1945 hatte nach anfänglicher Euphorie die Schafhaltung in Deutschland Schwierigkeiten, wieder Fuß zu fassen.

Eine Auswirkung des Zweiten Weltkrieges war die Teilung Deutschlands in zwei unterschiedliche Wirtschaftssysteme. Das eine im Westen, dem freien Weltmarkt offen, mit all seinen Vor - und Nachteilen - und das andere im Osten mit einem in sich geschlossenen Wirtschaftssystem.



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Durch das Fehlen konvertierbarer Währung baute die ostdeutsche Wirtschaft auf Eigenproduktion. Dazu zählte auch die Textilindustrie, die ihre Rohstoffe vornehmlich aus der eigenen Wirtschaft bezog. Das wiederum hatte zur Folge, daß die ostdeutsche Schafhaltung und -zucht einen hohen ökonomischen Stellenwert erlangte.
Es war zwar nicht wieder das Zeitalter des " Goldenen Vlieses" aber es sind durchaus Paralellen erkennbar. Aus dem arg gebeutelten Nachkriegsbestand erwuchs bis 1985 eine stattliche Zahl von 2,5 Millionen Schafe, davon knapp 1 Million Mutterschafe, der Rest sogenannte " Wollträger ", sprich Hammel und Tiere unter einem Jahr.
Der Bedarf der DDR-Industrie konnte aber insbesondere aus Qualitätsansprüchen nicht gedeckt werden. Die Kammgarnherstellung stellte aber hohe Qualitätsansprüche an die Eigenproduktion von Wolle und konnte daher auch nur aus Importen gedeckt werden. Einsatzgebiet der heimischen Wolle war daher die Streichgarn - und Filzherstellung.
Staatlicherseits gab es viele Maßnahmen mit dem Ziel, die Produktivität der Schafhaltung zu steigern. Unter anderem gab es einen Beschluß, die Schafhaltung in die damals spezialisierten Pflanzenbaubetriebe einzubeziehen.
Das sogenannte " Grüne Fließband ", Grundlage einer durchgängigen Futterproduktion für die LPG in der Tierproduktion war Bestandteil der Fruchtfolge in diesen Betrieben.
Diese Vielfältigkeit in der Ackerkultur stellte hohe Anforderung an den jeweiligen Schäfer in der Herdenführung übers Jahr.

Mein Hütejahr, ich hatte eine 550 ziger Wollträgerherde, sprich Hammel, zu betreuen, fing mit dem " Wegehüten " an. Außerdem wurden Hutungen genutzt, das sogenannte " absolute Schaffutter". Weide, die von keiner anderen Viehart besser genutzt werden kann.
Danach Nachlese auf abgeernteten Futterflächen mit allabendlichem Standhüten im frischen Futter. Das Hüten auf Klee, Luzerne, auf Kartoffeln und Rüben oder Getreidekörner und Erbsen, all das verlangt vom Schäfer grundlegende Kenntnis von Hütetechniken, die heute keinem mehr abverlangt werden.



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Heute beschränkt sich der überwiegende Teil der Schafhaltung auf das Gebiet der Landschaftspflege, der Deichpflege und ähnlichem.
Ebenso wird weitestgehend mit mobilen Weidezaunsystemen gearbeitet. Was zur Folge hat, daß auch hier bei den Schafen auf Grund des fehlenden Kontaktes mit Schäfer und Hund eine Verwilderung stattfindet. Die Schafe werden scheu, sie reagieren bestenfalls noch auf das Geklapper eines Futtereimers.

Die ungestüme Arbeitsweise unserer Altdeutschen Hütehunde ist mittlerweile bei uns genau so wenig gefragt wie im angelsächsischen Raum.
Die Forderung, aus unseren Hunden einen sogenannten Koppelhund zu machen, heißt nichts anderes als diese Hunde im Charakter völlig umzukrempeln - sie zu „verbordern“!!
Man geht aber in Schäferkreisen den einfacheren, den kürzeren Weg. Der Bordercollie im Orginal hält Einzug! Damit beginnt der Untergang unserer Altdeutschen Hütehunde. Das bezieht sich aber nicht nur auf Deutschland. Gleiches ist im gesamten EU - Bereich zu beobachten.

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